Was errlaube Nissan? Habe gespielt wie Flasche leer!

was_erlaube_strunzJetzt mal im Ernst: Nissan hat doch eigentlich in den letzten Jahren fast wieder einen guten Lauf gehabt, oder? Der Kashkei hat zwar einen Namen, den keiner richtig schreiben kann – aber hey, was solls? Er verkauft sich wie geschnitten Brot, ob nun Kwashkey oder nicht

Die Älteren unter uns mögen sich noch an den Nissan Sunny erinnern – der war hierzulande mal ein echter Held. Das gehobene Bildungsbürgertum, das eigentlich einen Audi Typ44 fuhr oder einen Mercedes W123 kaufte den Nissan Sunny gerne den studierenden Töchtern – der Wagen war sicher, unauffällig, zuverlässig – und hatte mit weitem Abstand die geringsten Unterhaltskosten der gesamten Fahrzeugklasse – perfekte Zeiten für Nissan.

War mal gut gestartet – vor allem die Coupes hatten einen durchaus substanziellen Ruf bei Männern unter 25

War mal gut gestartet – vor allem die Coupes hatten einen durchaus substanziellen Ruf bei Männern unter 25

Dann ließ Nissan in der Klasse nach – 1995 ersetzte der Nissan Almera den Sunny. Dessen größtes Merkmal war zweifellos seine Unauffälligkeit. Nicht das schlechteste Auto, aber vollkommen anämisch und frei von erkennbaren Highlights – immerhin: ganz gute Unterhaltskosten. Aber Deiner Tochter kauftest Du den nicht mehr.Der zweite Almera kam zwar wieder auf Kurs – aber viel zu spät – die Golf-Klasse hatte sich derart perfektioniert, dass der zweite Almera zwar charmanter war, aber gegenüber der restlichen Golf Klasse in den Verkäufen im Verhältnis nur noch weiter zurückfiel.

Zeitgenössische Werbefotografie – aber man darf sich nicht täuschen lassen: Die Modellpalette war ein Hit in Europa, vor allem in den Niederlanden und UK

Zeitgenössische Werbefotografie – aber man darf sich nicht täuschen lassen: Die Modellpalette war ein Hit in Europa, vor allem in den Niederlanden und UK

Dann geschah etwas vollkommen ungewöhnliches: Wer nun erwartet hatte, dass Nissan sich aufrafft, der erlebte einen ernsthaften Schock: Nissan ersetzte den blutleeren Almera in der in Europa heiß umkämpften Golf-Klasse durch den Nissan Tiida (Ja, mit zwei “i”) – bei dem war nicht nur der Name blöd. Als der Wagen auf den Europäischen Markt kam, stand er in Japan kurz vor der Ablösung und war bereits seit 4 Jahren auf dem Markt. Aber auch 4 Jahre vorher hätte er mit seinem lustlosen Design, langweiligen Motoren und dem Handling eines angetrockneten Mozzarella keinen wasauchimmer vom Teller gezogen.

Dreh Dich um und Du hast ihn vergessen: Nissan Tiida

Dreh Dich um und Du hast ihn vergessen: Nissan Tiida

Stark frisiert und tiefergelegt machte er sich ganz gut in einigen Rennserien – aber auch das konnte nicht auf den Tiida auf der Straße abfärben – jedenfalls nicht in Europa. So – also zieht Nissan endgültig einen Schlußstrich und lässt den Nachfolger unter einem etwas glücklicheren Namen in seinem Europa-Entwicklungszentrum entwickeln.

Was dabei jedoch herauskommt, ist eine Art…. Ähm… modernsierter Tiida…

Nissan Pulsar, Modelljahr 2015. Schwer zu glauben, alltagsgrau

Nissan Pulsar, Modelljahr 2015. Schwer zu glauben, alltagsgrau

Kaum jemand mag dem Wagen eine rechte Eigenschaft abgewinnen, die man nicht irgendwo besser bei einem Mitbewerber fände.

Gesicht in der Menge

Gesicht in der Menge

Die Europäischen Autozeitungen zeigen sich ratlos. 3 von 5 Sternen hier, aber gerne mal 4 Sterne für die Unterhaltskosten, die Ausstattung oder das Design des neuen Nissan Pulsar. selbst die britischen Zeitungen, die dem Nissan stets etwas abgewinnen konnten, zeigen sich zurückhaltend. Und man muss sagen: mit Recht. Der Erstkontakt mit dem Nissan fällt so gelangweilt aus, wie man es kaum von einem neuen Auto kennt. Du setzt Dich rein, hast das Gefühl, dem Geruch nach wohl in einem neuen Auto zu sitzen – aber wohl dem einzigen, da weniger aufregend ist als ein Golf – und das will schon was heißen.

Schaden, Nissan – das war ein schöner Start, damals in der guten alten Zeit. Aber der Pulsar fühlt sich an, als wäre er Nissans letzter Versuch eines Europäischen Golf-Konkurrenten. Schade drum.

Wieder einmal mit bestem Dank für die Unterstützung an den Youngtimer-Blog!



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