SUVs fahren in die falsche Richtung

Es gibt derzeit kein Segment, das so sehr wächst, wie das der SUVs in Deutschland, gar in ganz Europa. Jeder Hersteller quetscht noch schnell etwas hohes martialisches auf die eine oder andere Plattform, am liebsten in der Golf-Klasse, wo das Wachstum praktisch exklusiv aus den SUVs vom Schlage des Class-Leaders VW Tiguan herrührt.

Wer hier ständig hin muss, der soll sich dafür ruhig einen gescheiten Geländewagen kaufen, das macht absolut Sinn. *** Bild:Leihgabe von Allrader.de

Wer hier ständig hin muss, der soll sich dafür ruhig einen gescheiten Geländewagen kaufen, das macht absolut Sinn.
*** Bild:Leihgabe von Allrader.de

Die eigenartigste Entwicklung in dieser Szene sind zweifelsfrei die SUVs, die mittlerweile ohne Allradantrieb durch die Gegend fahren, denn – man mag das mittlerweile bei all den glattgelutschten SUVs vergessen haben – aber die eigentlich Wurzel sind ja mal Geländewagen gewesen.

Die waren den meisten Leuten zu grob. Dann kamen zwei Experimente: Einmal der Toyota RAV4, zunächst als “Softroader” deklariert – und der Subaru Forester, als Kombi deklariert. Beide waren die Rollenmodelle für eine neue Klasse. Und darin waren sie so erfolgreich, dass sie all die hunderte von Nachahmern fanden, die heute die Klasse der SUVs begründen und mit Geländewagen nur noch wenig gemein haben.
Mit Ausnahme der konzeptionellen Nachteile.

SUVs: Was sind die konzeptionellen Vorteile?

Einerseits haben SUVs mal ganz klar Vorteile im Bereich der Rundumsicht – oder zumindest hatten sie die mal. Tatsächlich war das die ganze Zeit über einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren, da man mit den höhergesetzten Karosserien ein wenig über dem dichter gewordenen Verkehr schweben konnte und die Einstiegshöhe für die Generation der rückengeplagten einen gewissen Charme hatte.

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Bist Du hier unterwegs, dann brauchst Du Allradantrieb und Bodenfreiheit: Haken dran. *** Bild: Freundiche Leihgabe von Allrader.de

Mittlerweile ist davon nicht mehr allzu viel übrig geblieben. Speziell im Bereich der Rundumsicht sind die SUVs mit jedem Evolutionsschritt schlechter geworden.
Ursprünglich hatten Geländewagen auch mal große Kofferräume – wie mit der Rundumsicht gilt hier: auch nicht wirklich gut geblieben. Die Beladung so weit oben vom Schwerpunkt entfernt zu haben, ist fahrerisch heikel, also schrägt man die Kofferräume massiv ab und verkleinert die Scheiben zu Schießscharten wie etwa beim Audi Q3 oder dem BMW X1 – das gibt dynamischeres Fahrverhalten, macht die Autos aber nicht nutzbarer – im Gegenteil. Das kann jeder durchschnittliche Kombi mittlerweile besser, ist aber der nötige Tribut an die Masse.
Was sind die Nachteile?
Die höheren Karosserien, der gleichzeitige Wille, in Kurven nicht langsamer zu fahren, führen mittlerweile zu Fahrwerken, die grob und ungehobelt sind und sich bei modernen SUV wie etwa dem Opel Mokka, dann mit großen Rädern schon Anfühlen wie die Fahrwerke, die früher Idioten bei D&W unter ihren Manta B schraubten. Wer kann so etwas wollen?

Ein Heck wie das des Audi Q3 macht keinerlei Sinn, Das Auto baut hoch, hat eine große Stirnfläche und alle nenneswerten Nachteile eines geländetauglichen Wagens und weniger Platz als ein Skoda Rapid Sportsback

Ein Heck wie das des Audi Q3 macht keinerlei Sinn, Das Auto baut hoch, hat eine große Stirnfläche und alle nennenswerten Nachteile eines geländetauglichen Wagens und weniger Platz als ein Skoda Rapid Sportsback

Aus Energie-Sicht betrachtet ist die Entwicklung weit dramatischer – die Paarung aus notwendiger Breite, großer Stirnfläche und Höhe des Aufbaus führen zu Mehrverbräuchen. Die Mehrverbräuche machen bei Vans ja noch Sinn, da bekomme ich den nötigen Platz im Gegenzug – den bieten SUVs nur nicht mehr. Die Aufbauten und die Maßnahmen, um den hohen Autos das Fahrverhalten von tiefen Autos beizubringen, machen die Wagen darüber hinaus schwerer. Dem Allradantrieb kann man sein zusätzliches Gewicht verzeihen, die SUVs geben einem heute nichts mehr zurück, ausser eben eine etwas martialischere Optik, die man wirklich mögen kann, ohne Zweifel. Ebenso wie den Allradantrieb – da sind wir sofort dabei.
In der Summe ihrer Eigenschaften sind die SUVs dadurch, dass sie sich zum totalen Massenphänomen etabliert haben, dramatisch dumm, da sie am Ende des Tages nur noch die Verbräuche in die Höhe treiben und den passiven Fußgängerschutz schwieriger machen durch ihre andere Rammhöhe beim Aufprall.
SUVs – Fazit
Ja, man kann sich schon fragen, welche Überlegungen beim Autokauf eine Rolle spielen, wenn man sich für ein schwereres, langsameres, teureres Auto mit erhöhtem Verbrauch entscheidet, dass den meisten Leuten im Gegenzug für die konzeptionellen Nachteile keine Vorteile bietet.

Die Whatcar verriss den Opel Mokka, respektive sein Vauxhall Pendant, gehörig – unter anderem aufgrund seines polterigen, harten Fahrwerks, das die Fahrfreude verdirbt

Die Whatcar verriss den Opel Mokka, respektive sein Vauxhall Pendant, gehörig – unter anderem aufgrund seines polterigen, harten Fahrwerks, das die Fahrfreude verdirbt

Ganz klar: Allradantrieb und mehr Bodenfreiheit machen in sehr vielen Regionen absolute Sinn – In der dauerhaft schneefreien Kölner Innenstadt die Kinder im Q7 zu Schule zu bringen, ist schlicht schwachsinnig. Hier entwickelt sich etwas zum Standard heraus, das im Kern falsch ist.


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