Selbstversuch: Ist der Golf zurecht Marktführer? Hier: Opel Astra

Hat an sich die geilere Linie als der Golf, an dem man sich beinahe ein wenig satt gesehen hat

Hat an sich die geilere Linie als der Golf, an dem man sich beinahe ein wenig satt gesehen hat

Der Golf ist jetzt seit 40 Jahren Marktführer in Deutschland – und immerhin: in anderen Ländern sind manchmal auch noch andere Autos vorn, aber in Deutschland selbst wurde die Vorherrschaft des Golf bislang nur 3 historische Male unterbrochen – einmal vom Mercedes Strichacht, einmal vom Opel Kadett D und einmal vom Mercedes W123. Letzterer schaffte das im Jahre 1984 – und seitdem ist der Golf die Nummer 1, festgemauert in der Erden…

Zurecht? Wir machen uns auf die Suche und vergleichen mal wieder gezielt mit seinen wichtigsten Mitbewerbern. Als erster am Start: ein nagelneuer Opel Astra 2014 als Diesel mit 110PS aus 1,7 Litern Hubraum.

opel_astra_2014_3Schon bei der ersten Sitzprobe im Opel Astra 2014 hat man das Gefühl, in einem wertigen gut verarbeiteten Auto zu sitzen – Spaltmaßpäbste aus Wolfsburg würden hier verzweifelt nach Fehlern suchen – es gibt sie nicht. Die Materialien sind ausgezeichnet – und sogar einen Ticken besser als die, die wir im Ford Focus 2014 vor uns hatten. Ähnlich wie im Ford Focus hat der Opel Astra uns zu viele Knöpfe – das geht besser – aber man muss hier ganz klar anerkennen: Opel hat verstanden und verbessert. Die Knöpfe folgen einer gewissen Logik, die sich weit leichter erschließt als im Ford Focus, die Knöpfe sind auch in der Nach gut zu bedienen und liegen darüber hinaus griffgünstig. Das Navi wirkt zunächst kompliziert, ist es aber nach der zweiten Bedienung nicht mehr – auch hier: nix zu meckern – die Radiofunktionen erschließen sich sogar entschieden besser als die Features im Golf, der gemeinhin ja als leicht bedienbar gilt.

Alles in allem hinterlässt der Opel Astra 2014 hier schon auf den ersten Blick einen ungemein guten Eindruck. Entfernung vom Class Leader Golf? Nicht vorhanden.

Die Sitze sind ausgezeichnet, die Bezüge wirken ebenso wertig wie stress-resistent. Auch nach langer Tour kann man gegen die Sitze nichts sagen.

Ginge besser, ist so aber auch gut

Ginge besser, ist so aber auch gut – dennoch fragst Du Dich: Warum bekommen das anderen das mit weniger Knöpfen hin?

Der Motor des Opel Astra 2014, ein 1,7 Liter Diesel, hatte stattliche 30 Newtonmeter mehr Drehmoment als der vergleichbare Golf und auch eine Schippe mehr als der Ford Focus, die beide mit graduell weniger Hubraum auskommen müssen. In der Praxis merkt man davon nicht viel. Der Opel Astra 2014 fühlt sich langsamer an als der Golf VII – und er ist es auch – bei der Beschleunigung fahren dem Opel Astra die beiden wichtigsten Mitbewerber auf und davon. Wie kann das sein? Der Opel ist einfach etwas speckiger und muss 100 Kilo mehr mit sich herumschleppen, die man vor allem beim Beschleunigen im unteren Geschwindigkeitsbereich zu spüren bekommt. Beim Verbrauch merkt man es am Ende nicht – ein normal bewegter Opel Astra 2014 konsumiert gar einen Hauch weniger als der Ford Focus und nur einen Schluck mehr als der Golf. In der Realität sind die Differenzen hier zu vernachlässigen. Wie auch der Focus ist der Astra akustisch durchaus angenehmer – von Diesel spürt man hier im Grunde nicht mehr viel. Die Schaltung lässt sich leicht besser bedienen als die im Golf und flutscht angenehm durch die Tunnel.

Warum der Astra deutlich länger als seine Mitbewerber ist, ohne mehr Platz zu bieten, weiss nur Opel allein – das ist ähnlich wie beim Insignia. Immerhin macht Opel hier nicht den Fehler, etwas unterzudimensionieren. Der Astra hält in allen Belangen mit, fühlt sich hinten sogar luftiger an, wenn man auch etwas dunkel sitzt aufgrund der hohen Gürtellinie. Eine helle Innenausstattung würde dem Astra stets helfen.

Der Astra ist in etwa so unübersichtlich wie jedes moderne Auto und ein Parkpilot ist im Grunde unerlässlich und zudem weit billiger als im Golf – übersichtlicher als der Focus ist er jedoch – der hört unterhalb der Frontscheibe einfach auf und ist nach hinten komplett rätselhaft.

opel_astra_2014Die Klimatisierung des Opel Astra ist da, wo vor 15 Jahren noch Oberklasse-Autos lagen – auch hier: Nix zu meckern. Wäre der Opel nicht so viel schwerer als der Golf, würde er sich sogar halbwegs sportlich anfühlen, obwohl er darauf nicht ausgelegt ist. Der Focus ist der sportlichere, der Astra fühlt sich aber satter und sicherer an – hier bietet Gewicht durchaus auch Vorteile.

Alles in allem leistet sich der Astra gegenüber dem Class Leader Golf keine echte Schwäche – und ist in der neuen Preispolitik des Hauses Opel sogar teilweise bedeutend günstiger.

Am Ende des Tests mit knapp 2000 Kilometern im Opel Astra 2014 gibt es keine echte Erklärung dafür, warum der Opel sich schlechter verkaufen sollte, als der Golf, nicht einmal in der Summe der Feinheiten. Vermutlich hat Opel mit “Umparken im Kopf” schon irgendwie recht.


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