Selbstversuch: Ist der Golf zurecht Marktführer? Hier: Hyundai I30

Hyundai im Anschnitt – macht durchaus was her und zeigt Mut zur eigenen Linie

Hyundai im Anschnitt – macht durchaus was her und zeigt Mut zur eigenen Linie

Der Golf ist jetzt seit 40 Jahren Marktführer in Deutschland – und immerhin: in anderen Ländern sind manchmal auch noch andere Autos vorn, aber in Deutschland selbst wurde die Vorherrschaft des Golf bislang nur 3 historische Male unterbrochen – einmal vom Mercedes Strichacht, einmal vom Opel Kadett D und einmal vom Mercedes W123. Letzterer schaffte das im Jahre 1984 – und seitdem ist der Golf die Nummer 1, festgemauert in der Erden…

Zurecht? Wir machen uns auf die Suche und vergleichen mal wieder gezielt mit seinen wichtigsten Mitbewerbern. Als erster am Start: ein nagelneuer Hyundai i30 Diesel mit 110PS aus 1,6 Liter Hubraum – hier hat ja schon der Godfather of Golf gesagt: da klappert nix…
Stimmt das?
Zunächst einmal: Obwohl die Preis ja über die letzten Jahre angezogen haben, ist der Hyundai I30 immer noch zwischen 10 und 16% billiger als die Wettbewerber Golf, Astra und Focus – sogar bis zu 30, abhängig von der jeweiligen Konfiguration. Der Strassenpreis und die Leasingkonditionen, die verfügbaren Garantien und Wartungspakete, machen ihn noch einmal deutlich günstiger. Da sagt sich der Germane schon mal: Das kann ja nicht gleich gut sein.i30-1-6-gdi
Man erkennt jedoch schon bei der ersten Sitzprobe nach wenigen Sekunden: das macht hier alles einen irgendwie grundsoliden Eindruck… Angefangen beim Bügelgriff der Tür, über die Sitzverstellung bis zur Kopfstützenjustierung.
Billig oder klapprig wirkt hier mal nix. Auch Multimedia – früher nicht gerade ein Steckenpferd der Koreaner – hat hier Einzug gehalten – und die Bedienung wirkt nur 2 Sekunden lang nicht durchdacht – dann zeigt sich sich bis auf ganz wenige Ausnahmen stringent und wenig gewöhnungsbedürftig – und schlägt den Focus in diesem Bereich schon, bevor man den Motor gestartet hat; aus dem Stand sozusagen.

Das Navi überzeugt in Größe, Auflösung, Rechengeschwindigkeit, Lage und Klang. Die Bedienbarkeit ist schnell erlernt – aber in Köln schickt es uns in eine Einbahnstrasse, in Mainz will es uns dazu verleiten, über eine durchgezogene Linie abzubiegen.

Der Motor des Hyundai I30 ist nominal leicht schwächer als ein paar der Mitbewerber, fühlt sich aber nicht so an. Der Golf ist etwas bulliger und hat ein breiteres nutzbareres Drehzahlenband, der Opel läuft etwas ruhiger, vor allem im kalten Betrieb – alles in allem macht der Hyundai hier aber nichts schlechter, sparsam ist er obendrein. Einzig das Getriebe ist für flotte Kurvenfahrt von 2-3 und 3-4 nicht immer für optimalen Anschluss gestuft.

Bisserl Mazda vielleicht… Hyundai I30

Bisserl Mazda vielleicht… Hyundai I30

Die Sitze taugen für lange Strecken – hinten würde man sich mehr Führung wünschen und die Gurte des Hyundai I30 sind hinten kürzer als die der Mitbewerber, ebenso schwächelt die Aussicht von den Rücksitzen an der Gürtellinie.

Insgesamt ist der Golf übersichtlicher, der Focus ist im Vergleich zum Hyundai hier jedoch deutlich abgeschlagen. Die Lenkung ist – wie bei vielen modernen Autos – zu synthetisch, liefert aber noch ausreichend Feedback und ausreichend Rückstellmoment. Der Ford Focus ist hier sportlicher, fühlt sich dabei aber oft nicht ganz so kontrolliert an. Der Hyundai wirkt stets ruhig und zuverlässig auf der Strasse liegend. Hätte man das Markenlogo nicht vor Augen – man würde vermuten, ein Deutsches Auto zu fahren – hier lässt der Hyundai I30 auch viele gute Japaner hinter sich zurück und jede Menge Italiener und Franzosen.

Die Qualität fühlt sich gut an und die Garantieversicherer bestätigen es, Brancheninsider auch: Hyundai baut extrem zuverlässige Autos. Vielleicht hassen die Deutschen Hersteller den Koreanischen Autobauer deshalb so…

Wertig, gute Führung und anständige, sauber verarbeitete Materialien

Wertig, gute Führung und anständige, sauber verarbeitete Materialien

Nach knapp 900 Testkilometern müssen wir sagen: Der Hyundai I30 hinterlässt einen ausgezeichneten Eindruck – und ist damit wahrlich nicht der erste Hyundai, der uns beeindruckt. Er mag hier und da eine Nuance schwächer sein als Golf oder Astra – aber gerade mal auf dem Niveau, das man im direkten Vergleich spürt. Verglichen mit ihm wirkt der Focus dann tatsächlich noch einmal schwächer als im ersten Eindruck – dennoch: Dicht beieinander sind die alle. Und der Hyundai überzeugt hier auch gesamtwirtschaftlich so sehr, dass man sagen muss: den kann man dem Golf durchaus vorziehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.