Kia Sportswagon GT: Der unbekannte Mittelklasse-Rennwagen

Der Durchschnittsdeutsche fängt mit der Angabe „Kia Optima“ absolut nichts an, wie wir bei unseren Probefahrten ausgiebig feststellen konnten. Bester Test ist immer die Tankstelle:

„Welche Säule?“
„Hab nicht auf die Nummer geachtet – der Kia Optima“
„???“

Und wenn den mal einer kennt, dann ahnt der nur, dass das wohl der Mittelklassewagen von Kia ist – sowas wie ein Passat, oder?

Der Sportswagon GT ist so etwas wie das legitime schwarze Schaf der bislang eher vernunftgeprägten Kia-Modellfamilie. Da gab es hier und da schon mal einen Spoiler – aber sonst war Kia bislang eher artig. Der Sportswagen GT kommt nicht nur mit satten 245PS daher, notfalls stattet Kia ihn sogar mit schier obszönem dunkelroten Leder aus – das würde man beim Kia Händler nicht vermuten.

Aber das ist auch gut so – denn effektiv macht das den Spaß dieses Wagens aus – er ist der klassische Understater – Du siehst ihm die 245PS nicht an. Vor allem an der Ampel glaubt das natürlich niemand – und dann geht’s zur Sache…

Abgeflachtes Lenkrad als Sport-Folklore – sehr gut verarbeiteter Innenraum

Der Sportswagen GT geht mit seinen 245PS mehr als nur beherzt zur Sache – da werden Mitbewerber wie der Skoda Octavia RS durchaus mal blass.

Der Optima ist so etwas wie die Blech gewordene Unauffälligkeit – und tatsächlich bleibt er das auch in der GT Version. Die ist schon ein wenig angesportelt – aber nicht so, dass man hier einen heimlichen WRX vermuten würde…




Ebenso unauffällig gebärdet sich der Optima beim Fahren – der Wagen ist jederzeit enorm beherrschbar, solide auf der Strasse und berechenbar. Die Lenkung ist hervorragend abgestimmt und die Federung hat nichts von knalligem Sport an sich. Sicherlich könnte eine Portion zusätzlicher Härte hier noch ein Quentchen mehr Sportlichkeit bringen, würde im Alltag aber sicherlich nerven. Dasselbe gilt leider in Teilen auch für die Schaltung. Würde die die Gänge so sortieren, wie das manche Automatik kann – auch solche aus dem Konzern – dann könnte der Kia durchaus noch knackiger beschleunigen. Dennoch: Die Abstimmung taugt und verleiht dem Wagen eine verbindlich straffe Sportlichkeit, ohne zu nerven.

Da geht was rein – das Kofferraumvolumen erreicht nicht die wirklich Großen im Lande, steckt aber einen A4 und einen 3er BMW bequem in die Tasche und ist sehr solide ausgekleidet. Die Verschluss-Mechanik ist für große Hunde etwas ungeeignet

Das gilt leider nicht für den Klang, den die Sounddesigner dem Kia Optima Sportswagon GT anerzogen haben. Der ist auf Dauer eher anstrengend und ebenso unpassend. Der Klang ist an der Ampel ganz lustig oder wenn man den Wagen zum ersten Mal startet – aber langfristig ist er primär laut – und das passt nicht zu dem ansonsten ausgewogenen Charakter des Wagens.

Innen ist der Wagen dekorativ und schlicht . auf eine asiatische Weise natürlich – hier wird nicht versucht, die Germanen zu kopieren, was sicherlich gut und richtig ist.

Nicht alles ist hier ganz selbsterklärend

Wird der Optima ein Renner werden? Nein – da könnte er noch so gut sein. Eine Schippe über 40.000 ruft Kia für dem 245PS Optima auf. Das ist bei guter Ausstattung sicherlich absolut betrachtet akzeptabel – zumal für einen Wagen mit solchen Innenraumverhältnissen und der Qualität, die Kia nicht nur seit einigen Jahren sichtbar an den Tag legt, sondern auch mit dicken und fairen Garantiepaketen untermauert. Dennoch fehlt es dem Wagen am Ende wahrscheinlich doch am spezifischen Reiz. Der Skoda Superb Combi wandert ab 43.000 über den Tisch – mit Allradantrieb und 280PS. Ein Passat, der mit gerade mal 180PS fast dieselben Fahrleistungen aufbieten kann, kommt ab 36100 Euro zum Kunden und lässt damit Raum für Ausstattungswünsche – einen Renault Talismann gibt es gar für 35450 – und da sind gar Parkpiepser vorne und hinten, 200PS und ein Navi mit drin…

mächtig Platz

Konkurrenz gibt es also ausreichend – einige durchaus prestigeträchtiger; in Deutschland ja immer ein Argument. Was aber das schwierigste Thema im Wettbewerb sein dürfte, ist die Tatsache, dass der Kia schon im Realitätsleugnenden NEFZ schnell 2 – 3 Liter mehr verbraucht als sein Mitbewerber – und in der Realität hält er diesen Abstand auch locker ein und kommt damit dann auf Verbräuche, die auch mal die 12 Liter übersteigen, wenn man die Leistung auch wirklich abruft – im Schnitt sind es am Ende 10,8 Liter – und das ist zuviel.






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