Gefühlte und echte Fakten 2017 – Wie hat sich der Automarkt entwickelt?

2017 – ein Jahr mit einer einigermaßen komischen Marktentwicklung findet ein Ende.

Da hast Du auf der einen Seite die allgegenwärtige Rabattschlacht, die eigentlich nur noch bizarrer werdende Blüten treibt. Dann hast Du den Diesel und das vage Wissen um Fahrverbote und die große Presse, die alle paar Wochen wieder einen Wagen findet, der Schummelsoftware zu nutzen scheint – es folgen die üblichen Dementis – Wahrheit und Fakten haben nach Kellyanne Conway einfach an Bedeutung verloren, weltweit.

Gefühlt könnte man bei der Berichterstattung über Tesla denken, dass der Benziner auch schon an der Klippe stünde und keiner mehr etwas anderes will, oder?

Und was sind die Fakten?

  1. Was wirklich im Trend liegt: Allrader – erstmals haben in Deutschland über 20% der neu zugelassenen Fahrzeuge Allrad-Antrieb. Das ist nicht nur ein Verdienst der SUV – auch die Automobile Oberklasse vermag ihre Leistungen nur noch mit zwei angetriebenen Achsen auf die Strasse zu bringen.
  2. SUVs legen um fast 33% zu – ganz gleich ob mit oder ohne Allrad-Antrieb. Die Frage, die im Raum steht, ist: Wo wollen die Autohersteller wachsen, wenn demnächst jeder ein SUV hat?
  3. Voll im Trend: Hybrid. Von vielen Kunden wurde die Technologie 2017 als Ausweichtechnologie zum Diesel angesehen und bescherte Toyota 49% Hybrid-Anteil bei den Fahrzeugen, die im vergangenen Jahr zugelassen wurden – und Toyota selbst beschert das ein fettes Umsatzplus von 17%
  4. Opel bleibt im Jahresmittel über 7% – die 8%, die mal angepeilt waren, schaffen sie nicht. Grund: Kaufzurückhaltung durch die PSA Übernahme.
  5. Nicht so im Trend: Elektron-Antriebe – über die schreiben zwar alle, am Ende des Tages kratzen die E-Autos aber gerade mal an einem Prozent Marktanteil – und zwar von unten. Mercedes etwa stellt die B-Klasse mit E-Antrieb wieder ein. Dennoch: Die Marke mit dem größten Plus in Deutschland ist dennoch Tesla, die satte 85% zulegen – klingt mächtig, entspricht aber gerade mal etwas über 3.000 Fahrzeugen in 2017 – VW hat vom Golf in den ersten 5 Tagen dieses Jahres bereits mehr zugelassen – um mal eine Dimension zu haben.


  6. Dimensionen: Ford und Opel schaffen es mit Mühe, mehr Autos ihres gesamten Modellprogramms zuzulassen als VW vom Golf. Vom Opel Astra werden in 2017 nicht einmal ein viertel so viele verkauft wie vom Golf – einziger Trost: Der Ford Focus läuft nochmals deutlich schlechter. In Deutschland gilt noch immer: nur Golf ist Golf.
  7. VW schafft 50% der Top Ten Plätze – neben dem Golf auch der Polo, der Passat, der Tiguan und der Touran – der mangelnde Diesel Absatz drückt die Marke dennoch unter die 50% Grenze, denn hier hat VW doch Federn gelassen – Mercedes wächst in derselben Zeit satt und behauptet Marktposition 2 in Deutschland, verfehlt die 10% Marke nur ganz knapp.
  8. Als Marke verliert DS in Deutschland am stärksten – schwache Marketing, schwache Positionierung, schwer nachvollziehbare Modellpalette – Ergebnis:25% Minus – ein SUV soll es jetzt retten… Was sonst?
  9. Das Fahrzeugmodell mit den schwersten Verlusten ist der 2er BMW, der über 20% einbüßt, dicht gefolgt vom Audi A1, der über 17% seiner Federn lassen muss – ähnlich bitte trifft es Audi A3 und A4 – am Ende verliert Audi als Marke dadurch zweieinhalb Prozent.
  10. Wie auch in den Vorjahren bleibt der März der stärkste Monat bei den Zulassungen, dafür flachen die Peaks im Juni und im September ab – die langweilige IAA im September tut hier ihr übriges.

Alles in allem ist der Markt instabil, die Hersteller zögerlich bis verzweifelt. Auf welche Antriebstechnologie soll gesetzt werden? Was passiert mit Fahrverboten für den Diesel? Typischer Gewinner solcher Diskussionen: Marken, die komplett raus aus der Diskussion sind. Nach einer Reihe erfolgreicher Jahre legt Dacia noch einmal 30% zu und hat das zeug im kommenden Jahr große Import-Marken wie Nissan oder Mazda zu verdrängen. Marken ohne solche klares Profil verschwinden: Honda lässt von seiner planlosen Modellpalette in Deutschland nur noch homöopathische Mengen ab: selbst Jeep und Porsche liegen da deutlich drüber…


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