Ford Mustang: Wie fährt sich unser Maskottchen?

Dass es in Deutschland mal wieder einen Ford Mustang geben würde, war eigentlich nicht vorstellbar. Witziger Weise bin ich praktisch gegenüber eines Ford Mustangs aufgewachsen. Paul Wirtz von Gegenüber hatte einen – und der war damals auch schon ähnlich betagt wie er – und hat dennoch die meisten Wagen der Nachbarschaft überlebt. Damals allerdings handelte es sich um den ungewöhnlichsten Mustang von allen – den weichgespülten 1974er, der im Grunde der Ausrutscher der Mustang-Modellgeschichte war, weil es ihm vollkommen an Macho Allüren fehlt.

So wollen ihn alle - wir finden ihn in schwarz irgendwie cooler

So wollen ihn alle – wir finden ihn in schwarz irgendwie cooler

Die kamen wieder – und entwickelten sich prächtig in der US Macho-Gesellschaft.

Nur in Deutschland traute man dem Thema nicht so recht. Abgesehen von einer Phase in den 80er Jahren, als der Mustang einfach unvorstellbar billig war, wurde er in Deutschland nicht offiziell verkauft. Und in der Phase schienen ihn nur zwielichtige Gestalten zu fahren…

Das hat sich jetzt geändert.

Der Ford Mustang ist zurück

musti-faceWarum der Ford Mustang zurück ist? Weil Ford es sich zurzeit einfach erlauben kann. Mit dem Wagen hat Ford es tatsächlich geschafft, den weltweit meistverkauften Sportwagen zu bauen – wer hätte das gedacht? Und daran haben die Europäer aus gutem Grund einen nicht unerheblichen Anteil: Sie lieben den Mustang, weil er so ein ungewöhnliches Schnäppchen ist.

Der Wagen kommt entweder mit dem 5.0 Liter V8 daher oder aber mit einem 2.3 Liter, der mit seinen 4 Zylindern auf den namen EcoBoost hört, was eher die Assoziationen eines Dreizylinders aus dem Ford Kleinwagenprogramm aufkommen lässt. Fakt ist aber: Schon der „kleine“ Mustang kommt mit stattlichen 317PS daher – und das zu einem preis von 37.000€, was normalerweise gerade für einen Golf GTI reiht.

Ford Mustang: Die Alte Geschichte vom billigen Ami also?

Nein – beileibe nicht.mustiback

Der Mustang, den wir hier kaufen dürfen, ist für den Europäischen Markt abgestimmt, wie etwa mit seinen Brembo-Bremsen dokumentiert wird. Der Wagen fährt sich fantastisch, ist sehr beherrschbar und weit agiler als seine durchaus massive Erscheinung vermuten ließe. Der 5 Liter V8 liefert den Sound, den Du erwarten würdest, der 2.3er ist aber gar nicht so weit davon entfernt – hier haben die Ford Techniker wirklich mal sauber abgestimmt – exalt das, was man den US-Technikern immer so gerne abspricht, wurde hier auch tatsächlich in Deutschland erledigt – und das hat sich offensichtlich gelohnt.

In der Preisklasse – und das ist wirklich ausschließend gemeint – fährt kein anderes Auto vergleichsweise geil. Punkt. Entgegen landläufiger Stammtischmeinungen kann der Wagen sogar Kurven – und zwar ziemlich gut.

Der Ford Mustang 2016 ist nicht nur eine Show für sich, er kann auch was. Eine tolle Lenkung liefert ausnehmend viel Feedback – auch eine Qualität, die ihm der Stammtisch nie zugetraut hat. Der Wagen ist gut abgestimmt, die Schaltung rastet klackend ein, wie man das sonst nur von den besten Japanern in diesem Segment kennt – und ja, btw: Das ist eine Handschaltung, wenn Du willst – natürlich gibt es auch eine Automatik, aber das ist doch irgendwie Quatsch, wenn Du die Drehzahlen sauber steuern willst, oder?

Ford Mustang: Wo ist der Haken?

musti-innenObwohl die Prognosen nicht so schlecht sind, wagen wir die Prognose: Wie alle billigen leistungsstarken Autos wird der Ford Mustang schnell in die falschen Hände geraten und das wird seinen Wertverlust beschleunigen – hier wird der Ford Schwächen haben. Und wer meint, die Kosten-Bilanz mit dem „kleinen“ Ecoboost Motor positivieren zu können: Realistisch braucht der auch nie unter 10 Liter. Ja klar – das ist ein Sportwagen, kleine Maschine hin oder her. Der V8 hat bei unseren Probefahrten eher 15 gebraucht – aber das lag zum Teil natürlich auch daran, dass wir den ziemlich ausgekostet haben, bevor wir uns für den Zweidreier Ford Mustang entschieden haben.  Wahrscheinlich geht da eher was um 13,5 im Alltag – aber auch das ist natürlich weit oberhalb des Toyota Prius, klar.

Aber hey: einen Tod musst Du sterben, oder?

Eine Kritik vieler Autozeitungen teilen wir nicht, aber so gar nicht. Die Materialien im Innenraum sind nicht schlecht. Sie stammen aus einem anderen Kulturkreis – schließlich stammt ja der ganze Ford Mustang aus einem anderen Kulturkreis, oder? Die kleinen Chrom-Kippschalter, das lederne Lenkrad – all das macht einen qualitativ guten Eindruck und so auch die gesamte Verarbeitung, an der es nichts zu deuteln gibt.

Herzlich willkommen zurück, Ford Mustang.


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