Die Stars der Polo-Klasse I/VII: Ist der Polo so gut wie sein Ruf?

Der Polo ist in Deutschland – ähnlich wie Golf und Passat das Maß der Dinge – zurecht? Wir haben uns alle seine wichtigen Mitbewerber angesehen und finden: Lest selbst 😉

Volkswagen Polo 2016 => Erstkontakt

Der aktuelle Polo folgt der aktuellen Volkswagen-Folkloren, hat das Familiengesicht, das derzeit alle bis rauf zu Passat und VW Bulli durch die Gegend spazieren. Das hat schon fast etwas sozialistisches: Ein Gesicht für alle… Tatsächlich gibt es wohl kaum einen Autohersteller, der dieses Thema momentan so konsequent durchzieht wie VW – bis zur harten Langeweile…

Auch innen gilt: Alles, was Du hier siehst, kennst Du aus Seat, Skoda und Audi in stets nur leicht abgewandelter Form – das hat die Volkswagen-Gruppe bis zur Perfektion getrieben – die kleinen Brüder tragen die Sachen der großen Jungs auf.

aus einigen Perspektiven durchaus knackig - dennoch: das abgeschrägte Heck ist in dieser Klasse blanker Unsinn - hier war Volkswagen eigentlich mal der trendsetter der exakten Gegenbewegung. Lang ist's her

aus einigen Perspektiven durchaus knackig – dennoch: das abgeschrägte Heck ist in dieser Klasse blanker Unsinn – hier war Volkswagen eigentlich mal der Trendsetter der exakten Gegenbewegung. Lang ist’s her

Vieles im Polo Cockpit sah so oder so ähnlich auch in mittelgroßen Audis aus vor 4 oder 6 Jahren. Da gibt es jetzt sogar ein wenig Klavierlack und ähnliche Späße und hier und da ein wenig künstliche Chrom-Happen. Alles in allem wirkt der Polo dadurch unzweifelhaft wertig, vor allem aus der Ferne. Aber hier sei schon mal ganz klar gesagt: Das Bessere ist auch hier Feind des Guten: Der aktuelle Opel Corsa kann eine ganze Menge Sachen deutlich besser und wirkt auch aus der Nähe wertiger – Volkswagen sollte sich nicht zu sehr ausruhen…

Volkswagen Polo 2016 => das Fahren

Wir sind über 7.000 Kilometer Polo gefahren – Zweitürer, Viertürer, Diesel, Benziner. Und da muss man zwei Dinge ganz klar konstatieren: Der beste Motor ist ganz entschieden der 90PS Diesel und am besten im Viertürer mit einer etwas angereicherten Allstar Ausstattung – aber klar muss dann an zweiter Stelle auch sein: So geil der Wagen beschleunigt – er beschleunigt wirklich laut und auch im warmen Zustand mit einem abartig harten Verbrennungsgeräusch, das einfach nicht zeitgemäß ist. Auch hier sei der Rüsselsheimer erwähnt: der 95PS Diesel im Opel Corsa fühlt sich zwei Generationen moderner an, was die Akustik angeht.

Der Bordcomputer des Polo 2016 lügt nur zwischen 4-7%, was als akkurat durchgehen darf. Der Vebrauch ist also echt _ und der Polo schafft geringere Verbräuche als diesen. Faszinieren.

Der Bordcomputer des Polo 2016 lügt nur zwischen 4-7%, was als akkurat durchgehen darf. Der Verbrauch ist also echt – und der Polo schafft geringere Verbräuche als diesen. Faszinieren.

Was der Polo jedoch mit Ausnahme dieser elendigen Geräuschbelästigung zeigt, ist die Fähigkeit, ausgewogene Fahrzeuge herzustellen – da ist der Polo keine Ausnahme. Das Gesamtkonzept stimmt beim Fahren – auch auf mittleren Strecken. Auf längeren Strecken wünscht man sich etwas mehr Innenbreite – aber das gilt sicherlich für die ganze Fahrzeugklasse – wobei auch hier Skoda Fabia und Opel Corsa bereits besser sind.

Ansonsten stimmt am Polo wirklich vieles: Gute Sitze, Fahrwerk, Lenkung, Federung – alles ist hier enorm sauber und erwachsen abgestimmt – der Golf 3 war nicht besser, der Golf 2 bot nicht mehr Innenraum – allerdings mehr Laderaum, der zudem beim Polo nicht übermäßig gut nutzbar ist – das können neuere Modelle ein Quentchen besser – aber eben besser.

Mit 3 Türen Coupehafte Züge, aber zu geringen praktischen Nutzen: Polo 2016

Mit 3 Türen Coupehafte Züge, aber zu geringen praktischen Nutzen: Polo 2016

Die benzin-Motoren sind selbstverständlich besser im Geräuschbild und durchaus auch realistisch sparsam geworden. Der 90PS DIesel ist in diesem Bereich aber natürlich der Hammer – obwohl ihm der Sechste Gang fehlt, kann man mit dem Polo in dieser Konfiguration auf der Landstrasse Verbrauchswerte erreichen, die eine echte gemessene DREI vor dem Komma haben. Puuh – für sinnlos viel Geld hat VW mal vor gut 20 Jahren einen 3 Liter Lupo angeboten, der diese Werte kaum unter Laborbedingungen erreichen wollte – der Polo schafft sie. Das ist schon ganz schön fühlbarer Fortschritt – zumal wir hier ja von einem Wagen sprechen, der in Performance und Endgeschwindigkeit den ersten Golf GTI in den Schatten stellt.

Unangenehm am Diesel: Die Kraftentfaltung ist in dem leichten Auto ein bisschen Explosiv – ein wenig wie bei den Frühen TDIs der Jahrtausendwende. Hier sind die Benziner besser. Dennoch bleibt die Empfehlung klar: der 90PS Diesel macht irre Spaß beim Beschleunigen – die Benzinmotoren sind nur wenig schlechter. Preislich lohnen sich die Benziner lange – im Schnitt bis weit über 20.000 Kilometer Jahresfahrleistung, wenn die Schadensfreiheitsklasse über 10 liegt.

Fazit VW Polo 2016

Der Polo ist immer noch ein gutes Auto – der Klassenheld ist er nicht mehr so recht – hier sind modernere Mitbewerber an einigen Stellen bereits besser. Hinzu kommt: Die Preispolitik von VW ist in dieser Klasse schon arg unverschämt. Der A1 von Audi ist realistisch kaum teurer, speziell bei besserer Ausstattung – Skoda und Seat sind günstiger, Opel Corsa und Fiesta traditionell eh. Und 2000€ Mahrpreis sind bei einem Auto dieser Klasse eigentlich nicht haltbar. Es hat Gründe, dass der Polo in anderen Ländern bei weitem schlechter verkauft ist als im Volkswagen-gläubigen Deutschland.






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