Der Diesel im Feuer

Jo, Volkswagen, ihr habt ein Problem, das ist nicht weiter geheim… Aber jetzt scheint sich das ganze nicht nur in Deutschland, sondern auch in den anderen Europäischen Ländern zu drehen _ und nicht nur das: Irre weitläufige interpretationen des Themas zeigen bereits ihre Folgen.

curry!wurstDieser Tage standen wir gegenüber eines Hyundai Händlers und aßen eine Currywurst. Mit Bestellprozess und allem drum und dran dauert das so runde 20 Minuten. In den 20 Minuten parkte der Hyundai Händler seine Fahrzeug Flotte an ziemlich neuen Gebrauchtwagen mehrere Marken komplett um, nämlich die hintere Reihe nach vorn und umgekehrt. Anschließend gönnte er sich auch eine Currywurst – und da konnten wir nicht umhin, ihn anzusprechen, warum er sich die gigantische Mühe gegeben hatte.

„Die Diesel müssen nach hinten – die kauft keine Sau“

„?“

„Wenn Du grad mit Käufern sprichst, sagen sie dir, dass der Diesel die Umwelt Sau ist und dass jetzt demnächst bei allen Marken raus kommen wird, dass sie da Mist gebaut haben – VW ist nur der Anfang….“

Und tatsächlich kann das einen Sturm auslösen, den noch keiner so recht drauf hat – Deutschland ist das Dieselland Nummer eins, da hält sonst nur noch Italien mit und Frankreich in gewissen Grenzen – aber die kaufen die auch gegen den Bauch. Und plötzlich fangen die Franzosen schon an, auch auf politischer Ebene gegen den Diesel zu wettern. Bereits vergangene Woche hatte Umweltministerin Ségolène Royal gesagt, bei Diesel handele es sich nach mehreren Studien um „eine anerkanntermaßen krebserregende Substanz“, weshalb man nun langsam mal die Steuervorteile für diesen Todes-Kraftstoff zurückfahren müsse. Ganz so, als hätten sie alle drauf gewartet…

Die Amis sowieso. VW hatte sie gerade so weit, dass sie den Diesel lieben lernten, nachdem sie ihn nach den Waseerabscheider-Skandalen der 80er Jahre verschmähten.

Und jetzt das…ea189

Aber wozu wird das führen? Gerade der Volkswagen-Konzern hat wirklich gute Turbo-Benziner im Regal, die vor allem sparsam sind. Wenn die Leute beginnen, sich auf die zu stürzen, dann werden bei den zurzeit als irgendwie vage unsicher geltenden Dieseln die Preise purzeln – und das zahlen die heutigen Besitzer dieser Autos mit dem höheren Wertverlust – dem ohnehin teuersten Faktor der gesamten Fahrzeughaltung.Das wird also unter Umständen dann mal richtig schmerzhaft werden. Die Frage ist nur: Zahlen das dann am Ende nicht auch eben jene, die vor kurzem bei dem besagten Hyundai-Händler ihren Diesel gekauft haben, als der noch vorne in der Reihe stand – und all die Ford, Opel und Toyota-Diesel-Fahrer, die mit in den Strudel gezogen wurden?

Ja ... ich habe einen Diesel gekauft... Aber wer konnte das ahnen?

Ja … ich habe einen Diesel gekauft… Aber wer konnte das ahnen?

Diesel Kauf war schon in den letzten 20 Jahren immer ein wenig Poker, da man nie recht wissen konnte, wir der Diesel bei der nächsten Steuer- und Umweltrunde herauskam und ob nicht die Gesamtkostenrechnung plötzlich durch irgendeinen Steuertrick dahin war oder nur noch echte Vielfahrer etwas davon hatten.

Solche haben früher auch wirklich nur Diesel gekauft.

Heute kaufen die Leute den Diesel auch wegen des geilen Drehmonmentes, dem vermeintlich stabilen Wert der Wagen oder weil es für die irrsinnig wachsende Zahl der SUVs im Grunde eh die einzige vernünftige Motorisierung ist, um dem gestiegenen Fahrzeuggewicht und sinnlos gigantischen Stirnflächen zu begegnen…

Wir müssen nicht all zu schwarz sehen, um zu sehen: hier kommt noch etwas auf uns zu – und zwar auf den gesamten Markt der neu- und Gebrauchtfahrzeuge…

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