1986: Als unsere Youngtimer Neuwagen waren

1986 – die Autos, die mir als Kind im Alltag normal erschienen, sind heute veritable Youngtimer – aber was waren die Autos, die damals maßgeblich waren – und: Sind es die Youngtimer von heute?

Subjektive Youngtimer Top 5 von 1986

  1. Mercedes W124 – der Stein
    Der Mercedes war im Jahr 1986 das erstrebenswerteste Auto, dass Du als Deutscher fahren konntest, wenn ich so zurückblicke. Er definierte damals noch die sogenannte gehobene Mittelklasse in der ihm eigenen Art. Und „Gehobene Mittelklasse“ – da wollte der gemeine Deutsche hin – Oberklasse war dekadent. Selbst wenn Du Dir den größeren Mercedes W126 hättest leisten können, war es eine gute Idee, den W124 zu fahren – konntest ihn ja mit der 300er Maschine fahren.

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    Nein – cool war der nicht. Unser Metzger hatte einen – einen 250D in dieser Farbe und mit diesen Felgen, wenn ich mich recht erinnere – cool war anders – aber wie der Golf 2 hat er eine ganze Generation Auto geprägt und gilt noch heute als der besten Benz, den sie je gebaut haben

    Kurze Zeit später sollte eine der signifikantesten Wenden kommen – da kam der BMW E34, um den W124 vom Thron zu stoßen und der neuen gehobenen Mittelklasse seinen Stempel aufzudrücken und die wichtigen Tests in der Auto Motor und Sport zu gewinnen. Die Welt war überschaubar und ordentlich – und der E34 brach die Regeln.

  2. Volkswagen Golf 2 – Nobody’s Darling
    Der Golf 2 hatte keine Freunde. Er war immer dieser Typ dösiger Streber, der in allen Fächern eine gute zwei hatte, aber einfach nicht auf Partys ging – später kam dann raus, dass er was mit der eigentlich ganz hübschen Simone aus der 9c hatte – aber sie knutschten nie auf dem Schulhof.
    Golf 2 fuhren damals die Mütter. Papa fuhr W124, Mama Golf – und Du noch Bus.

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    Mann! Kann man ein Auto langweiliger bauen als den Golf 2? Er hat das Stock-im Arsch-Design, das VW in dieser Zeit pflegte – nur nicht auffallen – aber ein grandioses Auto der „Generation Golf“

    Der Volkswagen Golf 2 sollte sich – bis auf die blödsinnige Hohlraumversiegelung der Heckklappe, die ständig links neben dem Rücklicht raus sabbert, als das solideste Stück Blech herausstellen, dass die Wolfsburger neben dem 1200er Käfer je gebaut hatten – aber das zählte für mich damals noch nicht. Wenn wir beim VW Händler waren und mein Vater irgendwelche Inspektionen vereinbarte und überteuerte Rechnungen zahlte, dann nahm ich im VW Scirocco platz.

  3. Ford Scorpio – der Futurist
    Den Ford Granada fand ich obercool – finde ich immer noch. Aber ich gestehe: Damals, als der Ford Scorpio ihn ablöste, da fielen mir beinahe die Augen raus. Der Ford Scorpio war ein Stück Zukunft, das herabgestiegen war, um auch dem Normalbürger zu gehören. Der Wagen fuhr sich fantastisch, wie ich später selbst erfahren durfte – er sollte Jahre später mein erster Dienstwagen werden, wenn auch nur für kurze Zeit. Als das geschah, fand ich ihn eher etwas lächerlich und hätte lieber einen W124 gehabt – aber 1986 war der Ford Scorpio mein Traumwagen.

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    Wirkt heute kantig, war aber neben seinem Nachfolger so kantig wie eine Weintraube

    Der war einfach cooler als der W124 in der „gehobenen Mittelklasse“ – wenngleich den Deutschen langsam der Verdacht kam, dass Ford da nicht mehr so richtig hingehörte und Opel möglicherweise auch nicht – doch vor 30 Jahren, als die Youngtimer Neuwagen waren, da war die Welt in Ordnung und die Marken der Bürgerlichen Mitte bauten die großen Wagen mit Stolz.

  4. Saab 9000 – der Insider
    Saab 9000 – das klang so nüchtern, wie der Wagen war – und doch war er einer dieser Killer – ich erklärte damals meinem Freund Riko, der aus „der Zone“ geflohen war, immer, dass das lässige am Saab 9000 seine Unauffälligkeit war – während Riko, seit 1984 (Ausgerechnet das Orwell Jahr!) im Westen  – den feinen Unterschieden, die wir Wessis (das Wort gab es noch nicht) machten, nichts abgewinnen konnte – er fand so ziemlich jeden Westwagen cool – sogar den blöden Golf 2 und den Kadett E. Rikos Vater fuhr einen Opel Ascona C, dessen Nachfolger später mal die Basis des Saab 900 werden sollte – hätte man damals nur niemandem geglaubt…

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    Er schien mir stets der coole, überlegene zu sein – der, den die Typen fuhren, die wussten, worauf es wirklich ankam und nicht mit einem Stern herumblenden mussten

    Ich bin bis heute froh, dass der Saab 9000 alle seine italienischen Brüder überlebt hat – er war einfach cooler – eines dieser Autos, in dem Du mit 210 keine Lichthupe benutzen musstest – der Spinner im 518 wich irgendwann schon von selbst aus. abrahams-schoss.se. Riko fährt heute ein Saab 900 Cabrio.

  5. Citroen CX  – Captain Future
    Ja – noch ein Vertreter der „gehobenen Mittelklasse“ – der Citroen CX – Nach-Nachfolger des legendären Gangster Citroens, wie wir ihn noch aus Hitchcocks „Über den Dächern von Nizza“ kennen, der damals noch nach 22 Uhr lief, während es der DS immerhin zum Dienstwagen des Super-Schurken Fantomas gebracht hatte, der es mit den Blofelds dieser Welt einfach nie recht aufnehmen konnte.

    Der hatte dieses entspannt frankophile - einfach eine coole Sau, der Citroen CX - auch und vor allem als Youngtimer. Was für ein Hingucker im automobilen Einheitsbrei 30 Jahre später

    Der hatte dieses entspannt frankophile – einfach eine coole Sau, der Citroen CX – auch und vor allem als Youngtimer. Was für ein Hingucker im automobilen Einheitsbrei 30 Jahre später


    Der Citroen CX verlor jeden Test in Deutschland, gewann alle in Frankreich – Zeiten mangelnder Transparenz, die sich mir als Austauschschüler in Dijon kurze Zeit später offenbahren sollten – meine Gast-Eltern hatten einen Citroen GSA Break – Kein CX, aber immerhin.



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